
Hofrat Dr. Otto v. Sarnthein
Da Landeskommandant Mjr Steinwender nicht mehr kandidierte wurde im Jahre 1999 Hofrat Dr. Otto Sarnthein, Bataillons-kommandant des Wipptales zum Landeskommandanten gewählt.
Das kirchliche Tirol wollte für das Herz Jesu Lied "Auf zum Schwur" einen neuen Text kreieren. Da der alte Text angeblich nicht mehr zeitgemäß sei, dafür aber zu kriegerisch. Hier erhob Landeskommandant Sarnthein seine Stimme für die Schützen Tirols und nach einem pressemäßigen Aufschrei von vielen Tirolern verblieb man beim alten Text mit der Begründung, was historisch gewachsen sei, soll man heute nicht einfach umändern.
Unser Bund gegliedert in vier Viertel, nämlich Oberland, Tirol Mitte, Unterland und Osttirol mit seinen 232 Kompanien ist derzeit gegliedert in 25 Bataillone. Jedes Bataillon hat zwischen 4 und 20 Kompanien.
Der derzeitige Stand13.910
Ausrückende Schützen11.444
Jungschützen1.532
Marketenderinnen934
Mit den inaktiven Schützen und den unterstützenden Mitgliedern erreichen wir immerhin über 15000.
Wir Schützen treten ein für:
- Die Treue zu Gott und zum historischen Erbe der Väter
- Freiheit und Verantwortung
- Kameradschaft und Treue
- die Würde des Menschen
- eine gesunde Familie als Keimzelle von Volk und Staat
- die Förderung des Schießwesens
- die Erhaltung des Schützenbrauches
Treue zu Gott :
Wir nehmen teil an den kirchlichen Veranstaltungen in unseren Dörfern. Wir arbeiten mit im sozialen Bereich der Kirche und Gemeinde und von Zeit zu Zeit setzen wir eine Tat, die auch in der Öffentlichkeit einen brauchbaren Stellenwert hat. Zum Beispiel haben wir im Gedenkjahre 1984 für unseren Landesehrenkuraten Bischof Bonifaz Madersbacher ei-ne Glockenaktion durchgeführt. Insgesamt brachten die Schützenkompanien 60 Glocken für die Indianermission zusammen. 10 Jahre später lauft eine Geld-sammelaktion für die Mission in Bolivien, um ein Schulgebäude der Mission, welches in einem sehr desolaten Zustand ist, wieder zu restaurieren. Wir haben bereits einen Betrag von 125.000.-- Schilling in Dollar umgewechselt und Bischof Madersbacher übergeben. Wo doch unser Missionsbischof und Landesehrenkurat 75 Jahre alt geworden und sein 25 jähriges Bischofsjubiläum feiert.
Historisches Erbe :
Wir treten ein für das Geschichtsbewußtsein in unserem Land Tirol und versuchen gerade die Tiroler Geschichte auch unseren Jungschützen weiter zugeben. Wir rücken aus, wenn das Land oder die Gemeinde uns ruft. Wir haben aber im Jahre 1973 einstimmig bei der Bundes-versammlung, unserem höchsten Gremium beschlossen, bei parteipolitischen Veranstaltungen nicht auszurücken. Wir Schützen sind nämlich der Meinung, wir haben eine staatspolitische aber keine parteipolitische Aufgabe zu erfüllen, denn in unseren Rei-hen sind sicherlich viele politischen Meinungen vertreten. Aber es ist doch etwas Eigenständiges, wenn im Schützenrock nie ein parteipolitisches Gezänk zum Tragen kommt. Es ist uns aber auch Herzensangelegenheit für die umfassende Landesverteidigung unserer Republik Österreich einzutreten.
Seit Jahren versuchen wir ein vorgegebenes Jahresthema zu bearbeiten und bis auf die Basis weiterzugeben. Im Jahre 1995 hatten wir das Jahresthema "Erbe und Auftrag" gewählt. Vielleicht kann der eine und andere mit diesem Motto "Erbe und Auftrag" nicht allzuviel anfangen. Man könnte dieses Jahresmotto aber auch mit "Der Weg von Gestern ins Morgen" umschreiben. Es geht also um die Frage wie können wir Altes, Bewährtes, Gutes, Tradition, Fundamentales, Nicht Aufgebbares bewahren, also herüberretten ins Heute und ins Jetzt.
Ich glaube, dass Redewendungen, die momentan modern sind, überhaupt nichts mit unseren "Fundamenten" im Schützenwesen zu tun haben, wenn sie auch vor allem der älteren Generation nicht gefallen.
Wir leben heute in einer Zeit in der es modern geworden ist englische Ausdrücke für ganz normale Lebensvorgänge zu gebrauchen.
Denn die Sprache "modernisiert" sich und wir haben darum ja auch keine Paradeiser mehr, sondern nur Tomaten und genießen in Österreich statt Schlagobers zeitgemäß Sahne. Wir sprechen im "Klartext", "profilieren" uns durch Fremdworte und sagen von Dingen, die beliebt sind, sie seien "in". Man hat gelegentlich "frustriert" zu sein und ein schönes Mädchen als "Klassefrau" zu bezeichnen. "Klasse" ist überhaupt alles, was nicht gerade "out" ist. Heute sind englische Vokabel "in". Statt eines Ausflugs macht man einen "trip", statt Schwung und Arbeitsfreude hat man "drive". "Eingeweihter" wird zeit-gemäß durch "insider" ersetzt, und "feeling" klingt allemal noch besser als "Gefühl"
Aber alle diese sprachlichen Neuheiten ändern nichts daran, dass wir Schützen ein Erbe anzutreten dafür einzutreten und auch den Jungen weiterzugeben haben. Wir treten ein :
- für vorgelebten Schützenbrauch
- für erarbeitetes Kulturgut
- für geschichtliches Bestandsgut
- für Traditionsbewußtsein um dieses Erbgut wieder der nächsten Generation oder den
Nachfolgern weitergeben zu können
Freiheit und Verantwortung :
Wir sind uns bewußt, dass die Worte des Schriftstellers Hesse die Gegenwart aufzeigen: Unter Freiheit versteht man Verantwortung übernehmen, weil aber so wenig auf dieser Welt bereit sind Verantwortung zu tragen, deshalb übt es auch so wenig Freiheit. Unter Freiheit, die ich meine versteht man nicht die alltäglichen kleinen Freiheiten, die wir uns alle einmal herausnehmen, denn hier ist der unterschied wie zwischen Gott und dem Allmächtigen Vater und den Götzen.
Ein französischer Philosoph meint dazu :
Unter Freiheit versteht man nicht, dass jeder tun und lassen kann was er will, sondern, dass einer nicht tun muß was er nicht will.
Kameradschaft und Treue:
Hier stehen wir sicherlich im Bann vom GRILLPARZER der einmal meinte:
Wo kleinlicher Neid und Mißgunst dem Verdienstvolleren, Hochmut und Geringschätzung, dem weniger ausgezeichneten gegenüber fernbleiben, wo interne Dinge nicht an die Öffentlichkeit getragen, sondern den vorhandenen Gremien zugeleitet werden, nur dort wird echte Kameradschaft und Treue wahre Früchte tragen.
Würde des Menschen :
Es wird viel getan im Verborgenen, wir sind gar nicht interessiert, dass solche Aktivitäten an die große Glocke gehängt werden. Ich möchte aber doch ein Beispiel anführen. Die Schützenkompanie Wattens hat es freiwillig übernommen, an allen Samstagen, Feiertagen und Sonntagen des Jahres das Essen auf Räder für alte hilfsbedürftige Menschen durchzuführen. Es sind ungefähr 120 Tage im Jahr. Diese Kompanie will keinen Dank, denn die dankbaren Augen der hilfsbedürftigen Menschen sind Dank genug meinen die Angehörigen der Schützenkompanie Wattens. In dieser Richtung könnte man noch un-zählige Beispiele aufführen.
Eine gesunde Familie als Keimzelle von Volk und Staat
Wir sind uns im klaren, dass nur eine intakte Familie für das Aufwachsen der Kinder von Vorteil ist. Wenn wir auch viele Verpflichtungen haben, so darf die Familie nicht zu kurz kommen. Das gesamte Kapitel könnte man umschreiben mit Treue im zwischenmenschlichen Bereich.
Förderung des Schießwesens:
Schon auf Grund des historischen Erbes fördern wir in unseren Reihen das Schießwesen. Geschossen wird mit Zimmergewehr und Kleinkaliber. Wir nehmen auch teil bei den verschiedenen Milizschießen des österreichischen Bundesheeres. Wir haben als Schießlei-stungszeichen Schützenschnüre eingeführt und zwar jene der alten Armee. Wir führen Kompanie - Bataillons - Regimentsmeisterschaften durch. Alle zwei Jahre gibt es ein Vergleichsschießen der in der Alpenregion vertretenen Schützenbünde, nämlich der Bayrischen Gebirgsschützen, dem Bund der Tiroler Schützenkompanien, dem Südtiroler Schützenbund und dem Welschtiroler Schützenbund.
Erhaltung des Schützenbrauches :
Wir versuchen über Grenzen hinweg die gesunde Kameradschaft zwischen den Bünden die in der Alpenregion vertreten sind zu bewahren. Besonders am Herzen liegen uns die Welschtiroler, die nach dem Landlibell ebenfalls zum Land Tirol gehört haben, die sicherlich unsere Unterstützung brauchen

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