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Rückblick auf das Gedächtnisjahr 2009 im Bundesland Tirol
von Landeskdt. Mjr. Dr. Otto Sarnthein

Gedenkfeier 20. Feber – Bergisel:
Das 200-jährige Gedenken an die Tiroler Freiheitskämpfe von 1809 begann für uns Schützen am 20. Feber 2009 mit einer feierlichen Kranzniederlegung am Andreas Hofer Denkmal am Bergisel und einem anschließenden Pontifikalamt in der Hofkirche in Innsbruck in Anwesenheit der Landeshauptleute, der Landeskommandanten und zahlreicher Ehrengäste aus dem historischen Tirol.

Bundes- und Festversammlung des BTSK:
Die Dogana des Innsbrucker Congresshauses bot den würdigen Rahmen für die Bundes- und Festversammlung des BTSK am 26. April. Im Anschluss an die Bundesversammlung und den Festgottesdienst, der von Bischof Dr. Manfred Scheuer gemeinsam mit den Prälaten Prof. Dr. Johann Paarhammer (Erzdiözese Salzburg) und Abt Mag. Raimund Schreier (Stift Wilten) sowie dem Landeskuraten Msgr. Josef Haselwanner zelebriert wurde, erfolgte als Beitrag der Tiroler Schützen zum Gedächtnisjahr die feierliche Unterzeichnung des Allianzvertrages. Darin verpflichten sich die Kompanien des BTSK gegenüber den Bischöfen und den Gemeinden des Bundeslandes Tirol - in Beachtung der Grundsätze des Tiroler Schützenwesens - für kirchliche, soziale und kulturelle Belange in den Gemeinden Tirols zur Verfügung zu stehen und ihre Hilfe anzubieten – soweit es ihnen neben der Erfüllung ihrer sonstigen Aufgaben möglich ist.
Dieser Vertrag wurde von Bischof Dr. Scheuer (Diözese Innsbruck), Prälat Dr. Paarhammer (Erzdiözese Salzburg), Bgm. Schöpf (Tiroler Gemeindeverband) und Landeskdt. Dr. Sarnthein (BTSK) unterzeichnet. Musikalisch umrahmt wurde die Festveranstaltung von der BMK Matrei-Mühlbachl-Pfons sowie vom Chor Vocappella.
Als äußeres Zeichen der Verbundenheit zu den anderen Schützenbünden sowie zum Tiroler Blasmusikverband wurden der Landeshptm. der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien Karl Steininger und der ehem. stv. Landeskdt. des SSB Hans Graber zu Ehrenmajoren des BTSK ernannt und Obm. Dr. Hermann Ebenbichler mit der Silbernen Verdienstmedaille des BTSK ausgezeichnet. Abschließend erfolgte vor der Hofburg der Landesübliche Empfang mit der Ehrenkompanie Axams und der Marsch der rund 1.000 Teilnehmer durch die Altstadt mit der Defilierung am Rennweg.

Landesschießen:
Um die Zusammenarbeit mit dem Tiroler Schützenbund und dem Südtiroler Sportschützenbund zu fördern, wurde mit den Gilden in allen Bezirken der Landesteile auf  KK-Ständen ein gemeinsames Landesschießen organisiert. Die Eröffnung erfolgte traditionell am  29. Mai am Bergisel, dem Tag der zweiten Bergiselschlacht von 1809 (Ehrenkompanie Wilten). Das im Juni durchgeführte Landesschießen war leider von verschiedenen Pannen geprägt, die sich für das beabsichtigte kameradschaftliche Zusammenrücken zwischen den Schützenbünden und den Gilden nicht nützlich erwiesen. Den feierlichen Abschluss organisierte Mjr. Hubert Straudi am 31. Oktober in St. Leonhard im Passeier.

„Glaube und Heimat“:
Ein voller Erfolg hingegen war die Veranstaltungsreihe zum Gedenkjahr 2009 „Glaube und Heimat“. Diese Veranstaltungsreihe wurde von der Diözese Innsbruck, den katholischen Bildungswerken von Tirol und Salzburg (für den Tiroler Teil der Erzdiözese Salzburg) und dem BTSK durchgeführt.
Insgesamt fanden 106 Veranstaltungen statt, und zwar 85 in der Diözese Innsbruck und 21 im Tiroler Teil der Erzdiözese Salzburg. Involviert waren dabei 160 Schützenkompanien und 145 Pfarren; die GesamtteilnehmerInnenzahl betrug erfreuliche 7.412 Personen.
Erzbischof Kothgasser, die Bischöfe Scheuer, Stecher und Laun, die Generalvikare Hofer und Bürgler, die Äbte Erd und Schreier sowie weitere zahlreiche Persönlichkeiten stellten sich als Vortragende zur Verfügung und gaben damit dieser Veranstaltungsreihe nicht nur einen besonderen Inhalt. Ein besonderer Dank gilt der Initiatorin, Seelsorgeamtsleiterin Mag. Elisabeth Rathgeb und ihren MitarbeiterInnen.

Herz Jesu Prozessionen:
Am Herz Jesu Sonntag (21. Juni) wurden unter dem Motto „im Glauben verbunden“ in allen Gemeinden die Herz Jesu Prozessionen oder – Andachten abgehalten. Als Grundlage hiefür diente ein von den Bischöfen des historischen Tirols gemeinsam verfasster Hirtenbrief. Gleichzeitig fand mit der Herz Jesu Prozession in Bozen der kirchliche Höhepunkt des Gedenkjahres statt. In Anwesenheit  von Erzbischof Kothgasser- Salzburg, Erzbischof Bressan - Trient, Bischof Scheuer – Innsbruck und Bischof Golser –Bozen/Brixen, der Äbte der Hochstifte von Stams, Wilten, Georgenberg/Fiecht, Neustift und Marienberg, der Landeshauptleute sowie der Landtagspräsidenten und Mitglieder der Landtage beteiligten sich mit der Bundesleitung über dreitausend Gläubige an dieser eindrucksvollen Prozession.

Gedenktag 3. Bergiselschlacht 13. August:
Anlässlich des Gedenktages an die 3. Bergiselschlacht am 13. August 1809 feierte das Militärkommando Tirol ihren 43 Traditionstag gemeinsam mit einer gemischten Ehrenformation der Kompanien Wilten und Meran am Eduard Wallnöfer Platz vor dem Landhaus in Innsbruck. In Anwesenheit des Garderegiments aus Wien, der Traditionsverbände und zahlreicher Ehrengäste legten zu diesem Anlass 350 im Juli 2009 einberufene Präsenzdiener des Österr. Bundesheeres den feierlichen Treueeid ab.

Hoher Frauentag:
Die Ehrung verdienter Bürgerinnen und Bürger am Hohen Frauentag durch die Landeshauptleute von Tirol und Südtirol fand heuer in besonders feierlicher Form im Congress statt. Zuvor gab es einen Landesüblichen Empfang vor der Hofburg mit der Ehrenkompanie Elbigenalp und einen Festgottesdienst in der Jesuitenkirche. .

Landesfestumzug:
Höhepunkt des Gedenkjahres 1809-2009 war der Landesfestumzug am 20. September in Innsbruck. Die im Vorfeld vor allem in den Medien breitgetretenen Störaktionen und Unstimmigkeiten wie: Kosten des Festumzuges, Mittragen von Dornenkrone und Transparenten oder Beschränkung der Teilnehmer, waren an diesem Wochenende kein Thema mehr. Im Gegenteil – es herrschte eine derart positive Stimmung, wie sie auch von den Verantwortlichen des ORF noch bei keiner Großveranstaltung erlebt wurde. Bei strahlendem Sonnenschein verfolgten sicherlich 90.000 begeisterte Zuschauer den über vier Stunden dauernden Aufmarsch der 26.000 Teinehmer von 1.000 Vereinen der Traditionsverbände aus allen Landesteilen Tirols, aus den österr. Bundesländern, aus Bayern, Liechtenstein, Belgien, Rumänien und aus den Partnerstädten.
220.000 TV-Zuseher verfolgten die Übertragung aus Innsbruck, allein in Tirol saßen 90.000 vor dem Fernseher. Rund ein Viertel der Tiroler Bevölkerung haben den Festumzug vor Ort oder im Fernsehen mitverfolgt.
Es war der größte Transportauftrag in der Geschichte der ÖBB-Postbus GmbH, welcher an einem Tag abgewickelt wurde. Über 400 Busse mit Teilnehmern mussten koordiniert nach Innsbruck kommen, sodass es zu keinem Verkehrschaos kam. Dazu wurde ein genaues Verkehrskonzept ausgearbeitet. Es wurden insgesamt über 50.000 km mit Bussen zurückgelegt.
Für die An- und Abreise der Teilnehmer waren 22 Sonderzüge erforderlich. Das dafür benötigte Rollmaterial musste  zur Gänze in anderen Regionen ausgeliehen werden, da die in Tirol stationierten Wagen und Nahverkehrszüge für die Beförderung der Besucher benötigt wurden. Für den Transport der Besucher waren 25 Sonderzüge im Einsatz. Bei weiteren 16 Zügen wurden zusätzlich Verstärkungsmaßnahmen geplant. Insgesamt wurde daher an diesem Tag eine Zusatzleistung von fast 12.000 km auf der Schiene erbracht. Das Angebot wurde von etwa 40 000 Besuchern und Teilnehmern genutzt.
Nach einem von Bischof Dr. Manfred Scheuer im Dom St. Jakob zu Innsbruck zelebrierten Pontifikalamt, kündigte pünktlich um 11,30 Uhr Bundeshornist Mag. Manfred Heidegger das Eintreffen des Bundespräsidenten auf der Ehrentribühne vor der Hofburg an. Mit 21 Salutschüssen zu Ehren des Bundespräsidenten aus 7 Kanonen des Bataillons Sonnenburg unter dem Kommando von Batlkdt. Mjr. Toni Pertl begann der feierliche Akt.
Der Gesamtkommandierende, Landeskdt. Mjr. Dr. Otto Sarnthein, meldete dem Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer die zum Landesüblichen Empfang vor der Hofburg angetretenen Formationen: Bundesstandarte des BTSK, Ehrenmusikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg, Ehrenkompanie Breitenbach an Inn und Kommandanten, Präsidenten und Obleute der Traditionsverbände des historischen Tirols mit ihren Landesfahnen sowie den Beginn des Landesfestumzuges.
Nach Abspielen der Bundeshymne und der Frontabschreitung mit Bundespräsident und den drei Landeshauptleuten Platter, Durnwalder und Dellai, erfolgte unter dem Kommando von Hptm. Josef Gruber eine erstklassige Salve der mit 101 Marketenderinnen und Schützen ausgerückten Ehrenkompanie. Das Abspielen der Tiroler Landeshymne, die symbolische Überreichung der Fahnenbänder an die drei Schützenbünde (BTSK, SSB und WSB), das obligatorische "Schnapsl" und die Ansprachen von Landeshptm. Platter und Bundespräsident Fischer gaben dem Landesüblichen Empfang eine besondere Note.
Landeshptm. Platter sagte ua. in seiner Ansprache: “Heute ist unser Tag; Geschichte trifft Zukunft. Vor 200 Jahren haben Andreas Hofer und mit ihm viele Tiroler um ihre Freiheit gekämpft. Tirol ist heute frei im Herzen Europas. In diesem Europa werden wir die Grenzen in unseren Köpfen überwinden. Schauen wir mit Respekt zurück und mit Optimismus nach vorne“.
Bundespräsident Fischer meinte: „Tirol ist ein geschichtsbewusstes und zukunftsorientiertes Land. Tirol hat nicht vergessen, was vor 200 Jahren geschehen ist, nicht vergessen den Vertrag von Saint Germain und die schändliche Behandlung von Hitler und Mussolini. Heute steht Tirol nördlich und südlich des Brenners auf beiden Beinen. Südtirol kann sich wie bisher auf Österreich verlassen“.
Unter dem Moto „Unsere Jugend – Unsere Zukunft“ führten 3000 Jugendliche aus allen Landesteilen, davon 898 Jungschützen (778 vom BTSK und 120 vom SSB) mit ihren Betreuern, den Festumzug an und beeindruckten nicht nur die weiteren Ehrengäste wie Bundeskanzler Faymann, Vizekanzler Pröll, Nationalratspräsident Graf, Landtagspräs. Van Staa, Bgm. Zach (Innsbruck), Bgm. Spagnolli (Bozen), Bischof Scheuer, die Generalvikare, die Äbte der Hochstifte uvm. mit ihrer Begeisterung und ihren Einlagen. Als sichtbares Zeichen für eine gemeinsame Zukunft wurden eine von 40 Jugendlichen getragene Europafahne und ein Transparent „wir Jungschützen bauen Tirol“ mitgetragen sowie ein aus 2009 Dalien zusammengesetzter Tiroler Adler unserer Jungschützen mitgeführt.
Der Jugend folgten die Landestrachtenverbände, die Sängerbünde, der Tiroler Landes- und der Südtiroler Sportschützenbund, der Kameradschaftsbund, die Blasmusikverbände, Freiheitskämpfer, Kaiserjäger und Kaiserschützen, das Österr. Bundesheer, die Mittelschul- und Studentenverbindungen sowie die Partisaner- und Landsturmgruppen.
Die Landeskommandanten Bacher, Cadrobbi, Sarnthein und der Landeshptm. des BBGK Steininger sowie die jeweiligen Bundesleitungen führten unter dem Trommelwirbel des Ötztaler Schützenbataillons die Schützen der Europaregion Tirol an. Die in Achterreihen formierten Marschblöcke der einzelnen Schützenbataillone und –bezirke in einer Stärke von 150 bis 400 Ausrückende wurden von ihren Musikblöcken (ca. 115 MusikantInnen) angeführt, wobei die Marschreihenfolge auf die Einheit und Zusammengehörigkeit der Landesteile abgestimmt war.
Die offiziellen Gesamtteilnehmerzahlen der einzelnen Schützenbünde betrugen: 90 aus dem ladinischen Teil, 313 vom Welschtiroler Schützenbund , 2.747 vom Südtiroler Schützenbund und 9.634 vom Bund der Tiroler Schützenkompanien. Der Blasmusikverband war mit 3.971 MusikantInnen vertreten. 
Die von den Jungschützen, Ladinern, Süd- und Welschtirolern mitgetragenen Transparente (siehe Schützenzeitung: 33. Jahrgang, Nr.6) unterstrichen den Willen nach Zusammengehörigkeit und Selbstbestimmung und wurden von den Zusehern mit unterschiedlichem Applaus bedacht.
Ein besonderer Höhepunkt des Festumzuges war die unter der Verantwortung von Hptm. Hermann Pittl mitgeführte und mit 2009 Rosen geschmückte Rosenkrone, die abwechselnd von 2 Partien von je 20 Schützen aus allen Landesteilen getragen wurde. Große Beachtung fand auch die unter der Bewachung der Schildhofbauern mitgetragene Goldene Kette und der Säbel von Andreas Hofer.
Die anschließende reibungslose Verpflegung von 17.000 TeilnehmerInnen erfolgte durch die Fa. Piegger in der Messehalle. Zur Verpflegung waren 40.000 Scheiben Brot, 4.000 kg Erdäpfel, 30.000 l Getränke und 4.000 kg Bratwurst (aneinandergereiht entspricht dies einer Länge von 5 km) notwendig.
Ein besonderer Dank gilt abschließend der Protokollabteilung des Landes Tirol unter der Regie von ADir. Herbert Gassler und seinen über 1.500 Helfern für die mustergültige Planung und Abwicklung dieser mehr als gelungenen Großveranstaltung.

Schützenwallfahrt:
An der traditionellen Gesamttiroler Schützenwallfahrt am 2. Sonntag im Oktober in Absam nahmen an die 800 Schützen mit ihren Familien teil. Als besondere Geste zu unseren ehemaligen Feinden von 1809 und nunmehr in Freundschaft verbundenen Nachbarn, leitete erstmals ein bayerischer Bischof, der Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger der Erzdiözese München und Freising, die Wallfahrt und beeindruckte mit seiner lebensnahen Predigt.   

Bundesausschuss und Nationalfeiertag:
Im Zeichen des Gedenkjahres stand auch der zweitägige Bundesausschuss am 25. und 26. Oktober in St. Michael in Pfons. Am Vorabend des Nationalfeiertages spielte die Militärmusikkapelle Tirol am Eduard Wallnöfer Platz vor dem Landhaus den Österr. Zapfenstreich unter der Beteiligung der Ehrenkompanie Lienz und des gesamten Bundesausschusses. Im Anschluss daran bedankten sich Landeshptm. Platter und Landesrätin Dr. Palfrader im großen Landhaussaal bei den Landeskommandanten Bacher und Sarnthein und den Mitgliedern des Bundesausschusses für ihren Beitrag zum Landesfestumzug und überreichten persönlich die bezughabenden Erinnerungsmedaillen und Fahnenbänder.

Sonstige Veranstaltungen:
Zusätzlich zu diesen Festlichkeiten des Bundes haben die Bezirke, Bataillone und Kompanien im gesamten Bundesland zahlreiche Gedenk- und Festveranstaltungen zur Erinnerung an die Freiheitskämpfe von 1809 durchgeführt. Die Vielzahl der Veranstaltungen, die leider aus Platzgründen nicht einzeln angeführt werden können, wie auch deren Inhalte und Visionen haben nicht nur den Stellenwert der eigenen Geschichte in der Bevölkerung aufgezeigt, sondern geben auch Zeugnis davon, wie die eigene Geschichte in einer objektiven Form aufgearbeitet und die Zukunft mit den daraus gewonnen Erkenntnissen mit Optimismus angegangen werden kann.   

 


 

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