Wegweiser für Tirol
von Msgr. Josef HASELWANNERanläßlich der Bundesausschuss Sitzung am 10. November 2007
Hoher Bundesausschuß!
Darf ich ein paar Worte und Überlegungen zum heurigen Jahresmotto: "Wegweiser für Tirol" vorbringen.
Wer an einen Wegweiser kommt, der erwartet sich eine Antwort auf das Woher und Wohin oder erhofft sich die Bestätigung auf dem rechten Weg zu sein. Wenn wir dies nun übertragen auf unsere Schützenarbeit, so müssen wir doch feststellen, dass es im Heute so manche Kreuzung gibt und wir immer wieder vor der Frage stehen, welche Richtung müßten wir einschlagen und welcher Weg führt eventuell in die Sackgasse.
Gibt es denn noch eine sichere Orientierung in einer Welt wachsender Pluralität der Wertvorstellungen. Sie bringt immer mehr persönliche Verunsicherung und führt zu einem Schwund eines Konsens auch in wichtigen Wertfragen und zu einer Privatisierung des Ethos.
Traditionelle Werte, wie Ehe und Familie werden zugunsten anderer partnerschaftlicher (auch gleichgeschlechtlicher) Lebensformen relativiert. Ganz offen wird auch über die Problematik der Euthanasie, der aktiven Sterbehilfe, diskutiert. Bildung, Forschung, Wirtschaft, sie werden nach der Nützlichkeit taxiert. Es bleibt völlig offen von welchen Werten der Mensch heute geprägt wird. Religion wird toleriert, aber noch kaum bewußt gefördert oder praktiziert. Das Überhandnehmen der Sekten und fundamentalistischer Strömungen hat zwar viele aufgeschreckt, Maßnahmen werden aber am ehesten dort getroffen, wo die Wirtschaft unerwünschten Einfluß fürchtet, wie etwa durch die Scientologen.
Und geht nicht der Einfluß und die Bedeutung der abendländischen Kirche und ihrer verschiedenen Abkömmlinge mehr und mehr zurück. Und an ihre Stelle treten kirchenlose christliche und nicht-christliche Kulturen und eine nach ihrer Identität suchende Menschheit.
Finden wir die Wegweiser in den Idolen des Sports, der Unterhaltungsbranche, des Aufstiegs und Erfolgs des Management's, der Politik? Reicht das aus.
Hätten wir nicht Wegweiser in vielen großen Persönlichkeiten und Heiligen unserer Geschichte, die durch ihr Leben und Beispiel mitreißen könnten?
Aber sind sie denn noch gefragt?.
Im letzten aber gründet doch ihr Beispiel-sein in jenen Wegweisern des Christlichen Erbes, das uns geschenkt in der Schrift und der Botschaft des Evangeliums: Wegweiser, zusammengefaßt im Dekalog, in der Bergpredigt und im Liebesgebot, wirkend und prägend durch die Jahrhunderte. Wurzeln und Quellen aus denen wir auch heute schöpfen könnten, beziehungsweise müßten.
Wenn wir den Dekalog vom Sinai (Exodus 20,2-17) lesen und in seine Tiefen eindringen, dann zeigt sich eine große, gültig, bleibende Weisung.
(heißt es doch in etwa:
Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten dem Sklavenhaus herausgeführt...
Du sollst keine anderen Götter haben als mich... Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen... dich nicht vor diesen hinwerfen... Du sollst den Namen Jahwes nicht mißbrauchen...
Gedenke des Sabbattags... heilige ihn... ...du sollst nicht töten... nicht ehebrechen... nicht stehlen.. kein falsches Zeugnis geben... du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten... nicht begehren sein Weib noch seinen Besitz.)
Der Dekalog ist zunächst ein Ja zu Gott, zu einem Gott, der uns liebt und führt, der uns trägt und uns doch unsere Freiheit läßt, ja, sie erst zur freiheit macht (betrifft die ersten drei Gebote). Er ist ein Ja zur Familie (4.Gebot) ein Ja zum Leben (5.Gebot), ein Ja zur verantwortbewusster Liebe (6.Gebot), ein Ja zur Solidarität, zur sozialen Verantwortung und Gerechtigkeit (7.Gebot), ein Ja zur Wahrheit (8.Gebot) und ein Ja zur Achtung anderer Menschen und dessen, was ihnen gehört (9. und 10.Gebot). Würde es sich nicht lohnen, uns dann und wann damit auseinanderzusetzen, und zu überlegen, ob diese Wegweiser nicht zu finden wären auch in unseren Grundsätzen und ob wir ihnen entsprechen im Leben und Alltag als Christen und Schützen.
Und in der Bergpredigt (Matthäus 5,1-11.) einer Kurzfassung des Evangeliums, der Botschaft Jesu, in den Seligpreisungen, wird uns das Ziel und der Lohn aufgezeigt, all jener, die den Wegweisungen Gottes folgen, sich auf sie einlassen und verwirklichen.
Und auf die Frage nach dem größten Gebot antwortet Jesus: "Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist allein Herr, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Denken und aus deiner ganzen Kraft. Das zweite ist dieses: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als dieses ist kein anderes Gebot." (Markus 12,29-31)
Wegweiser einer christlichen Tradition, Wegweiser auch für uns heutige, Wegweiser auch für die Nöte und Problembewältigung unserer Zeit. Beachten wir sie doch. Versuchen wir sie zu verwirklichen. Wie viele Gesetze und Paragraphen könnten wir uns wohl ersparen, wenn wir uns auf Dekalog, Berpredigt und das "Liebesgebot" einließen und uns auf sie verpflichteten.

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