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18. Alpenregionsschießen 22. Juni 2019
Das Heilige Grab
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 (c) Martina Mair
Mit dem Ende des Palmsonntags wird für uns Christen die heilige Woche, die Karwoche, eingeleitet.
Ein besonders Augenmerk möchte ich mit diesem Artikel auf das Heilige Grab legen.
Gehen wir zurück zu den ersten Aufzeichnungen über das Sterben und die Beisetzung Jesu. Da können wir nachlesen: "Josef von Arimathäa kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes." (Mk 15,46)
Über dieses Grab wurde von Kaiser Konstantin eine Kirche errichtet, die Grabeskirche.
heiliges-antlitz.de / grabeskirche / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Der Innenraum der Grabeskirche: tausende Lichter rund um die Kapelle mit dem Grab Christi

Im Laufe der Jahrhunderte wurden im Abendland Kirchen und Kapellen errichtet, die Kopien der Grabeskirche un des Heiligen Grabes waren. Der älteste Heilig-Grab-Bau in Tirol ist die Michaelskapelle (Hospitalkirche) in Neustift bei Brixen.
images.fotocommunity.de / Michaelskapelle Kloster Neustift / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Die Michaelskapelle, auch Engelsburg genannt, im Kloster Neustift bei Brixen

Im ausklingenden Mittelalter waren die Heiligen Gräber in Tirol weit verbreitet und die Barockmaler gestalteten sie phantasievoll aus. Erst das Verbot von Kaiser Joseph II stoppte seine Verbreitung und ließ sie fast verschwinden. Auch die 10 Jahre andauernde bayrische Besetzung Tirols von 1804 bis 1814 hemmte das Aufstellen der Heiligen Gräber.
Die Volksfrömmigkeit hat jedoch immer wieder ihre Kraft unter Beweis gestellt. Nach dem Abzug der Bayern wurden die Heiligen Gräber wieder aufgestellt und sie blieben ein bedeutender Ort der Andacht, der Verehrung Jesu Christi, dessen Tod und Auferstehung in den Drei Heiligen Tagen gefeiert wird. Es gab noch einige Wellenbewegungen mit dem Aufstellen der Heiligen Gräber, aber seit den 80er Jahren ist das Interesse vieler gewachsen und im ganzen Land werden in vielen Kirchen die Heiligen Gräber aufgestellt und sie sind ein starker Hinweis auf das Sterben Jesu, auf seine Grablegung und Auferstehung.
Besonders eindrucksvoll ist, wenn die Heiligen Gräber "bewacht" werden. In vielen Pfarrgemeinden haben diese Aufgabe die Schützen übernommen.
Schützenkompanie St. Veit / Grabwache St. Veit / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Grabwache Schützenkompanie St. Veit

Die Initiative dazu ging teils von den Pfarrern, teils von den Schützen selbst aus. Still, erfurchtsvoll stehen sie beim Heiligen Grab und werden damit Zeugen für jene große Stille, die mit dem Tod Jesu eingekehrt ist. Eine Stille, die bis zur Stunde der Auferstehung anhält. Das Allerheiligste, das über den Heiligen Gräbern ausgesetzt ist, verweist auf die Nacht vor seinem Tod, auf den Gründonnerstag.
Martina Mair / Grabwache Speckbacher Schützen Hall / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Grabwache Speckbacher Schützenkompanie Hall in Tirol

Bald werden die Schützen wiederum auftreten, dann allerdings nicht zur Grabwache, sondern am Fronleichnamstag, um das Allerheiligste durch die Gassen und Straßen unserer Dörfer zu begleiten. Die Stille ist dann vergangen, Gebet, Musik, Evangelien und auch die Salven sind zu hören, denn das Verborgene, das Geheimnisvolle von Tod und Auferstehung wird hinausgetragen in die Öffentlichkeit. Alle sollen wissen: jener, der für uns in den Tod ging, ist auferstanden und lebt.
Andreas Hofer Schützen Schwaz / Grabwache Andreas Hofer Schützen Schwaz / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Grabwache Andreas-Hofer-Schützenkompanie Schwaz

Dies ist zugleich eine Einladung, das Geheimnis der Drei Heiligen Tage aufzunehmen, daraus Lebenskraft zu schöpfen und schlicht und gläubig das alltägliche Leben zu gestalten.
 
Autor: Landeskurat Martin Ferner
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