Bund der Tiroler Schützenkompanien    • Brixner Straße 1, 6.Stock    • A-6020 Innsbruck    
Email schreiben  |  Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Kontakt     
Schwaz
Landesjungschützenschießen 2021 ABGESAGT!!
Die Achentaler Herz-Jesu Fahne
Druckansicht öffnen
 (c) Sprenger Martin
Die Achentaler Herz- Fahne – wohl älteste Herz- Jesu Fahne Tirols
Dass die Tiroler ihr Land nicht nur aus Freiheitsliebe und Patriotismus verteidigen wollten, sondern auch aus großer Angst, dass religiöse Brauchtümer und Traditionen von den Franzosen beeinflusst werden könnten, beweist das am 1. Juli 1796 in Bozen beschlossene Herz Jesu-Gelöbnis, wie es während des Bozner Kongresses von allen vier Landständen Tirols beschlossen wurde.
Anlässlich dieses Herz- Jesu Bundes schaffte der Achentaler Schützenhauptmann Johann Anton Aschbacher, Zolleinnehmer am Achensee eine Schützenfahne an. Sie wurde 1797 in Bozen hergestellt. Den Hauptteil der Anschaffungskosten übernahm Aschbacher selbst, er nahm aber auch von seinen Schützen kleinerer Geldbeträge an, damit auch diese an der Fahne ihren Anteil hatten.
Im Originalzustand sah die Fahne folgendermaßen aus: Das Fahnenblatt war dreigeteilt, ob rot-weiß-rot der grün-weiß-rot, darüber gehen die Berichte auseinander. Im mittleren weißen Feld befindet sich der Spruch „Gott, dem Kaiser dem Vaterland „  und die Jahreszahl 1797. Den Spruch umragt eine Krone, über der in roter Farbe das blutende Herz Jesu leuchtet, von einem Dornenkranz umgeben. Aus dem Herzen steigen Flammen empor, aus denen sich ein Kreuz erhebt. Auf der Rückseite des Mittelfeldes ist ein Tiroler Adler mit dem Bindenschild zu erkennen.
Sprenger Martin / herz_jesu_2 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Auf der Rückseite des Mittelfeldes ist ein Tiroler Adler
Sprenger Martin / herz_jesu0 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Auf der Vorderseite eine Krone, über der in roter Farbe das blutende Herz Jesu leuchtet

 
Diese Fahne nahm bereits im Oktober 1796 mit der Schützenkompanie des Gerichtes Rottenburg unter Hauptmann Johann Anton Aschbacher an den Gefechten bei Segonzano und Cembra teil. Im Jahr 1797 war diese Fahne bei den blutigen Kämpfen zwischen Spinges und Aicha sowie in den Schanzen von Chrysanthen mit dabei. Zur Anheftung an die Fahne wurde der tapferen Kompanie die große Ehrenmedaille zuerkannt. Im Herbst des Jahres 1799 zog die Fahne mit den Rottenburger Schützen an die Schweizer Grenze bei Remüs unter feindlichem Feuer. Es ging heiß her; zwei Fähnriche wurden nacheinander vom tödlichen Blei getroffen, beinahe wäre die Fahne dabei verlorengegangen. Im Jahr 1800 nahm die Herz-Jesu-Fahne an der Verteidigung des Achenpasses teil, wobei bereits der Sohn des Hauptmannes, der spätere Schützenmajor und Kampfgefährte Hofers und Speckbachers,  Anton Dominikus Aschbacher, als Fähnrich die Fahne trug.  Am 13. August 1809 nahmen die Achentaler Schützen mit ihrer Fahne an der siegreichen Bergiselschlacht teil. Wiederum flatterte die alte Kriegsfahne am 1.November im Kampfgewühl am Berg oberhalb von Innsbruck. Diesmal nahm die Schlacht einen unglücklicheren Ausgang. So mussten die Achentaler Schützen mit eingerollter Fahne über große Umwege in ihr Heimattal zurückkehren.
Aber auch nach den Heldenjahren von 1809 nahmen die Achentaler ihr Feldzeichen und zogen aus.  Am 22. Mai 1848 kämpften 30 Achentaler Schützen mit der Fahne im heißen Gefecht bei Lodrone. Im Jahre 1896 wurde die Fahne anlässlich der Hundertjahrfeier des Herz-Jesu-Bundes in Innsbruck mit dem Tiroler Feldzeichen ausgezeichnet. Die „ Alte Achentaler Kriegsfahne von 1797“ wie sie in der Schulchronik von 1907 betitelt wurde, konnte über die Jahrhunderte mit zahlreichen Tapferkeits- und Erinnerungsmedaillen ausgezeichnet werden. Erinnerungen an blutige Gefechte, grausliche Kampfszenen  aber auch so manche schöne Erinnerung, wie der Papstaudienz im Jahre 1896 bei Papst Leo XIII. in Rom.
23 Medaillen zierten das Haupt der Fahne bis zu jenen letzten Kriegstagen des 2.Weltkriegs im April 1945. Die Fahnen wurden wohlbehütet in einen versperrten Kasten im Schulhaus untergebracht. Zu dieser Zeit diente das Schulhaus zahlreichen Flüchtlingen und Soldaten ebenfalls als Unterkunft.  Nach Kriegsende bemerkte man die fehlenden Medaillen einige von ihnen konnten in der Nähe wieder gefunden werden andere blieben verschollen zahlreiche Achentaler spendeten daraufhin Medaillen um „ihre“ Fahne wieder zu schmücken.
Was bleibt von diesem Feldzeichen??? Die Achentaler  Herz Jesu Fahne gilt  wohl als die älteste Fahne mit Herz- Jesu Darstellung in Gesamttirol. Die Schützenfahne, die treue Begleiterin der tapferen Männer könnte zahlreiche Geschichten wiedergeben über blutige Gefechte, große Feste und bittere Niederlagen. Sie ist ein Zeichen Tiroler Geschichte und Identität, von der dunklen Vergangenheit bis in die helle Gegenwart.  Noch heute marschiert dieses alte Feldzeichen stolz in den Reihen der Aschbacher Schützenkompanie Achenkirch und streckt sich genauso wie vor 220 Jahren in den Tiroler Himmel.
 
 
Quellen:
Achentaler Heimatbuch
Schulchronik von Achenkirch von 1907
Johann & Anton Aschbacher  Zwei Achentaler Patrioten von Marin Reiter

Text von von Fabian Woloschyn 
Bildungsbeauftragter Bataillon Schwaz


                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             
 
 
Autor: Sprenger Martin
2768584