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Link zum Interview: „Wir Schützen verstehen uns als Klammer zwischen den Landesteilen“
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 (c) BTSK
Der Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützen Fritz Tiefenthaler ist ein Pragmatiker mit Visionen. Im Zauberfuchs-Gespräch bekennt er sich zu Traditionen ohne Heimattümelei und skizziert den Plan, den Leitgedanken „Im Zweifel für Tirol“ in den Köpfen der Politiker nördlich und südlich des Brenners zu etablieren.
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Im Oktober hat die jährliche Wallfahrt der Tiroler Schützen stattgefunden – ist das üblicherweise eher eine Dank- oder eine Bittwallfahrt?

Fritz Tiefenthaler: Beides. Als Landeskommandant betet man dafür, dass es einem weiterhin gelingt, gut mit den Mannschaften zusammenzuarbeiten – in manchen Bereichen ein Umdenken zu erreichen und in anderen eine Rückbesinnung auf das, was tatsächlich wertvoll ist.

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Umdenken in welcher Hinsicht?

Tiefenthaler: Wir müssen uns als Schützen immer wieder selbst in Frage stellen und immer wieder neu definieren, warum es uns eigentlich gibt. Wir wollen keine reine touristische Attraktion sein. Das kann schon auch ein Aspekt sein, aber wir wollen in den Dörfern, im Land etwas bewirken, und zwar „politisch“ im wahrsten Sinn des Wortes.

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Also im Sinne der griechischen „polis“?

Tiefenthaler: Richtig, für die Gesellschaft

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Die Diskussion verläuft in der Regel entlang extremer Positionen: Die einen halten die Schützen für vollkommen überflüssig und verlangen, dass sie sich auf eine folkloristische Rolle beschränken. Die Schützen hingegen pochen darauf, als gesellschaftspolitischer Faktor wahrgenommen zu werden. Aber worin besteht die Existenzgrundlage heutiger Schützen wirklich?

Tiefenthaler: Dieses Thema hat mich beschäftigt, seit ich als Schüler zu den Schützen gegangen bin, und das zog sich auch durch meine Studentenzeit und mein Lehrerdasein. Ich habe lange die Verpflichtung gefühlt, mich zu rechtfertigen. Aus diesem Druck heraus ist auch entstanden, dass wir im Team der Bundesleitung, dem ich ja seit 18 Jahren angehöre, immer wieder Schwerpunkte gesetzt haben. Wir müssen wahrhaft und in der Gesellschaft sichtbar sein, es reicht nicht, bei einer Prozession auszurücken. Wir verstehen uns aber nicht als Konkurrenz zu großen Umweltverbänden oder Sozialvereinen, sondern werden dort tätig, wo wir ganz konkrete, kleine Akzente setzen können. Wir versuchen, für Menschen da zu sein, die Hilfe brauchen.

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Der soziale Aspekt wurde 2009 sogar institutionalisiert.

Tiefenthaler: Und dieser Solidaritätspakt zwischen den Schützen, den Gemeinden Tirols und den beiden Diözesen hat sich in vielen Gemeinden sehr gut bewährt. In Mils zum Beispiel stehen monatlich routinemäßig sieben Schützen zur Verfügung. Und in Kössen konnten wir uns mit mittlerweile 130.000 Euro an der Hochwasserhilfe beteiligen.

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Wer sich sozial oder für den Natur- und Umweltschutz engagieren möchte, muss aber nicht zu den Schützen gehen.

Tiefenthaler: So ist es. Bei uns kommt dazu, dass wir uns zu unseren Dorfgemeinschaften bekennen, zur Tracht und zu den Traditionen. Und wir verstehen uns als Klammer zwischen den Landesteilen. Wir stellen mit einer gewissen Freude fest, dass langsam auch in den entscheidenden Kreisen erkannt wird, dass es mehr braucht als Sonntagsreden über die Europaregion Tirol.

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Nämlich?

Tiefenthaler: Es nützt nichts, nach den Sternen zu greifen. Es braucht konkrete, durchführbare Arbeitsschwerpunkte und Projekte, die eine Win-Win-Situation für beide Landesteile darstellen.

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Welche zum Beispiel?

Tiefenthaler: Nehmen wir nur die landwirtschaftlichen Schulen: Es gibt Kompetenzen, die eindeutig im Süden liegen, und solche, die im Norden liegen. Es ist doch Unsinn, wenn beide Landesteile sich als Konkurrenten verstehen! Wir haben es in den letzten Jahren überhaupt nicht geschafft, den Tirol-Gedanken wirklich in den Köpfen zu verankern. In der politischen Debatte heißt es oft „Im Zweifel für die Wirtschaft“ – ich habe Landeshauptmann Platter und dem designierten Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher vorgeschlagen, den Gedanken „Im Zweifel für Tirol“ zu etablieren. Es bringt nichts, in leicht fürstlicher Manier jeweils nur auf den eigenen Landesteil zu schauen. Im Gegenteil.

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Die Trennung von Tirol und Südtirol wird sich 2019 zum 100. Mal jähren. Anzunehmen, dass sich die Diskussionen darüber in den kommenden Jahren verschärfen werden. Was ist Ihr Eindruck: Haben breite Teile der Bevölkerung auf beiden Seiten des Brenners ein Interesse daran, Tirol wieder als Ganzes zu sehen?

Tiefenthaler: Das hängt auch von persönlichen Interessen ab. Die Frage der Doppelstaatsbürgerschaft beispielsweise hat in Südtirol eine ganz andere Dynamik angenommen, als man vermuten hätte können. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es zahlreichen Südtirolern gar nicht darum geht, in Österreich ein Wahlrecht zu haben oder hier zu leben, sondern lediglich darum auszudrücken, dass sie Österreich als Vaterland betrachten. Auch der scheidende Landeshauptmann Durnwalder hat zuletzt immer wieder den Begriff „österreichische Minderheit“ verwendet. Wie auch immer das irgendwann ausgehen wird: Ich denke, es geht gar nicht so sehr um konkrete Ausformungen wie einen Freistaat oder die Vollautonomie, sondern darum, die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union optimal zu nützen.

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Die Europaregion Tirol ist seit 2011 eine eigene Rechtspersönlichkeit. Verstehen sich die Schützen als Motor oder Impulsgeber für die Region?

Tiefenthaler: Wir waren in den letzten Jahren die einzigen Impulsgeber, das muss ich schon einmal sagen. Und wir arbeiten intensiv daran, die Zusammenarbeit zu verstärken.

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Um noch einmal kurz zur Wallfahrt zurückzukommen: War da bei Ihnen möglicherweise auch ein kleines Dank-Stoßgebet dafür dabei, dass die Schützen aus den Diskussionen der jüngsten Zeit über die braune Vergangenheit von Tiroler Traditionsvereinen und nationalistische Heimattümelei komplett herausgehalten wurden?

Tiefenthaler: Auf jeden Fall! Wir verdanken das einer glücklichen Fügung und ein bisschen auch meiner eigenen Vergangenheit als Paulinums-Schüler. Eine Reihe meiner Lehrer war im KZ. Und ich habe 1971 maturiert, also mitten in der Achtundsechziger-Zeit. Ich hatte durchaus Schwierigkeiten, die Rebellion gegen das Festgefahrene in der Gesellschaft mit meiner Affinität zu den Schützen zu vereinbaren.

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Das ist ja in der Tat nicht nur ein großes gesellschaftspolitisches Dilemma…

Tiefenthaler: …sondern manchmal auch ein persönliches. Zumindest gewesen. Und es war ein Grund dafür, dass wir bei uns im Dorf sehr früh sensibel für diese Themen waren. Allein aus dem St.-Josefs-Institut waren mehr als 60 Insassen nach Hartheim deportiert und umgebracht worden. Das hat uns schon als junge Burschen sehr bewegt. Wir waren damals die Ersten, die beim so genannten Heldengedenken, das wir in ein Totengedenken umgewandelt haben, auch der Opfer des Nationalsozialismus gedachten. Und als mit mir die neue Bundesleitung der Schützen ins Amt kam, war uns bald klar, dass wir auch auf der Eben des Gesamtverbandes etwas unternehmen müssen. Wir haben schließlich Michael Forcher beauftragt, die Rolle der Schützen in der Nazizeit zu untersuchen.

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Das war heuer im Frühjahr, also vor den aktuellen Debatten.

Tiefenthaler: Aber nach eineinhalb Jahren Vorarbeiten.

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Ich nehme an, Sie mussten intern teils dicke Bretter bohren.

Tiefenthaler: Überraschenderweise nicht. Der Bundesausschuss besteht aus 65 Majoren und Delegierten. Es gab nicht eine Gegenstimme gegen unseren Vorschlag. Wahrscheinlich haben wir einen guten Zeitpunkt erwischt.

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Michael Forchers Forschungsprojekt ist auf mehrere Jahre ausgelegt. Können Sie dennoch schon einen ersten Zwischenbericht geben?

Tiefenthaler: Klar ist jetzt schon, dass die Arbeit umfangreicher und schwieriger sein wird, als wir gedacht hatten. Deshalb wird sie auch länger dauern. Wir haben aber ausgemacht, nicht bis zum Schluss zu warten, wenn sich besondere Erkenntnisse ergeben, sondern relevante Rechercheergebnisse jeweils sofort online auf einer offenen Plattform sofort zur Verfügung zu stellen. Wir werden nichts verheimlichen oder vertuschen.

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Auch wenn es unangenehme Wahrheiten sind?

Tiefenthaler: Natürlich, sonst hätten wir’s gar nicht machen dürfen! Wobei ich überzeugt davon bin, dass wir nicht viel anders liegen als der Rest der Bevölkerung: Es wird solche geben, die aus Not mitgemacht haben und solche, die schon vor dem Anschluss dabei waren. Es wird Opportunisten gegeben haben und Menschen, die mit dem Ganzen eigentlich nichts zu tun haben wollten.

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Wo steht die Arbeit momentan?

Tiefenthaler: Bei Stichproben in verschiedenen Archiven hat sich gezeigt, dass wir konkrete Namen brauchen. Wir werden Studierende der Universität Innsbruck mit Recherchen beauftragen, auch im Zusammenhang mit einem zweiten Projekt, das das Standschützenjubiläum 2015 betrifft. Was man noch sagen kann, ist, dass es eine Reihe von bildlichen und schriftlichen Dokumenten über den

Standschützenverband gibt.

 

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Den Tiroler Standschützenverband der Nationalsozialisten?

Tiefenthaler: Richtig. Ich muss ganz offen sagen: Ich persönlich habe bis vor Kurzem auch nicht gewusst, dass Sepp Tanzers Standschützenmarsch nicht den Standschützen gewidmet war, die nach der Tiroler Wehrverfassung das letzte Mal 1915 an die Südfront ausgerückt sind, sondern Gauleiter Hofer und seinem Standschützenverband.

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1938 hat der Innsbrucker Gauleiter Franz Hofer sämtliche Traditionsverbände – Schützen, Musikkapellen, Trachtenvereine usw. – in den so genannten Tiroler Standschützenverband überführt, um „eine einheitliche Zusammenfassung des gesamten Tiroler Brauchtums sicherzustellen“.

Tiefenthaler: Und ich glaube, dass das viele nicht wussten. Auch wenn wir es wissen hätten müssen.

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Ist bei den 14.000 Tiroler Schützen inzwischen durch, dass es ein Märchen ist, dass die Schützen im Nationalsozialismus verboten waren?

Tiefenthaler: Das glaube ich ehrlich gesagt nicht.

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Ich auch nicht. Ich habe stichprobenartig ein paar Homepages von Kompanien durchforstet: Da waren offenbar lauter Widerständler am Werk, die mit dem Nationalsozialismus überhaupt nichts zu tun hatten.

Tiefenthaler: Man hat sich jahrelang damit beholfen, die Überführung in den Standschützenverband als Verbot zu interpretieren. Wie halt im Rest der Bevölkerung auch. Und man muss sich vielleicht auch überlegen, dass man es mit Menschen zu tun hatte, die ihre Jugend für etwas geopfert haben, was sich für sie im Nachhinein als großer Wahnsinn dargestellt hat, als riesiger Verlust. Das war, glaube ich, einer der Hauptgründe dafür, dass man mit vielen einfach nicht reden konnte. Ich hatte auch Professoren in der Schule, die im Krieg schwer verwundet wurden und alles andere als Nazis waren, aber trotzdem nie über dieses Thema reden wollten.

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Sowohl Opfer als auch Täter müssen schwer traumatisiert aus dem Krieg oder auch aus der Gefangenschaft zurückgekommen sein. So würde man das heute nennen – und Hilfe anbieten. Das war allerdings damals noch kein Thema. Die kamen zurück und sollten von einen Tag auf den anderen wieder normal funktionieren. Das konnte nicht klappen.

Tiefenthaler: Mir hat einmal ein ehemaliger Soldat gesagt: „Wir sind leer zurückgekommen. Ohne Möglichkeit der Liebe.“ Oft kamen da beziehungsunfähige Menschen zurück, seelische Krüppel.

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Haben Sie sich einmal überlegt, was sich wahrscheinlich die meisten Nachgeborenen irgendwann fragen: Wie hätte ich mich verhalten?

Tiefenthaler: Ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich nicht auch mitgerissen worden wäre – zum Beispiel beim Reichsparteitag in Nürnberg. Oder bei den Angeboten, die Jugendlichen in der vormilitärischen Ausbildung plötzlich gemacht wurden, vom Skifahren am Arlberg bis zum Paddeln am Achensee. Natürlich hat das viele junge Menschen begeistert. Und sicher konnte man sie damit manipulieren. Ich wage also nicht zu behaupten, dass ich nicht auch zumindest anfällig gewesen wäre. Und ich betrachte es als Glück, in einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der man eine gewisse Kritikfähigkeit lernte.

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Das Stichwort Helden inklusive Ihres Misstrauens dem Begriff gegenüber ist schon gefallen: Dennoch werden im Zusammenhang mit Schützenveranstaltungen rundherum ständig Heldengedenken abgehalten. Was ist ein Held – und warum ist es ein Problem, von Helden zu sprechen?

Tiefenthaler: Vorweg: Wir versuchen wirklich, das Heldengedenken in Richtung Totengedenken zu lenken. Im Prinzip, ich sag‘ es jetzt ganz drastisch, waren das doch großteils arme Hunde, die im Ersten und im Zweiten Weltkrieg einfach nur unter furchtbarsten Umständen ums nackte Überleben gekämpft haben. Was ist daran besonders heldenhaft? Und heute gilt der Begriff „Held“ sowieso nichts mehr – in Österreich reden wir von „Fußballhelden“, wenn jemand gegen die Färöer 3:0 gewinnt!

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Worauf beziehen sich die Schützen, wenn sie am Grab von Andreas Hofer einen Kranz niederlegen?

Tiefenthaler: Das Jahr 2009 hat uns und vielen die Gelegenheit gegeben, auch die Person Andreas Hofer kritisch zu hinterfragen. Wenn wir heute dort einen Kranz niederlegen, dann für jemanden, der sich mit seinem Leben – mit Fehlern und positiven Charaktereigenschaften – für dieses Land eingesetzt hat. Und der in einer Zeit, in der das Land in Gefahr war, probiert hat, für das Land und das Volk eine Besserung zu erreichen.

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„Besserung“ ist immer auch eine Frage der Perspektive. Das aufgeklärte Innsbrucker Bürgertum hatte damals schon ganz andere Ideen, als das, was Hofer durchsetzen wollte.

Tiefenthaler: Das ist schon richtig. Aber „aufgeklärt“ heißt auch noch nicht automatisch gut.

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Hinter allen Diskussionen – sei es um die Hofer-Figur, sei es über die Rolle der Schützen heute – steht immer auch die Frage nach einer gültigen Definition von Tirol, von Tirolertum, von Heimat. Und die Positionen liegen weit auseinander.

Tiefenthaler: Ja. Aber wenn ich aus Schützensicht anschaue, was sich da in den letzten Jahren getan hat: Wir sind offen für alle EU-Bürger, die sich zu Tirol als ihrem neuen Heimatland bekennen. Wir haben Mitglieder und zunehmend auch Funktionäre aus verschiedensten Ländern und allen anderen Bundesländern.

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Führen Sie in den Leitungsgremien einen Diskurs über den Heimat- und Tirolbegriff, den Sie pflegen, oder herrscht da vermeintlich fraglose Einigkeit?

Tiefenthaler: Ganz im Gegenteil! Wir haben schon vor Jahren unsere Statuten hinterfragt und die einschlägigen Begriffe analysiert – auch um eben gerade zu verhindern, dass es Heimattümelei gibt. Natürlich kommt das immer wieder einmal vor. Aber speziell in den Führungsgremien wird das nicht gespielt.

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Wie hoch ist das Budget des Bundes der Tiroler Schützenkompanien und wie setzt es sich zusammen?

Tiefenthaler: Eine leidige Frage! Jede Kompanie zahlt jährlich pro Kopf, ausgenommen Jungschützen und Marketenderinnen, 1,10 Euro an den Bund. Das bedeutet, wir bekommen jährlich nicht ganz 11.000 Euro von den Kompanien. Das Land Tirol zahlt insgesamt jährlich ca. 80.000 Euro für alle Kompanien.

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Für Trachten, Gewehre, auch Infrastrukturmaßnahmen?

Tiefenthaler: Richtig. Wir haben zum Beispiel die Verwaltung komplett auf EDV umgestellt, das war ein Monsterprojekt. Wir erwirtschaften für die Führung der Kanzlei, für die wir halbtags eine Sekretärin beschäftigen, ein bisschen Geld durch die Vermittlung von Waren an unsere Mitglieder – vom Säbel bis zur Feder. Niemand in der Bundesleitung bekommt Geld für seine Arbeit, ersetzt werden lediglich Fahrtkosten. Das ergab 2012 einen Überschuss von 1000 Euro und vor zwei Jahren ein Minus von 1000 Euro. So hanteln wir uns halt durch.

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Halten Sie 80.000 Euro Landessubvention für angemessen?

Tiefenthaler: Wir betreiben einen hohen Aufwand an Schulungen, Kursen etc. und krebsen immer am Rande des Finanzierbaren dahin. Ich möchte aber nicht jammern und betteln gehen, sondern mit dem auskommen, was wir eben haben. Und ich sage ganz offen: Wenn wir – wie zum Beispiel für das Nationalsozialismus-Projekt – gesondert Geld brauchen, sind wir immer großzügig bedient worden.

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Dazu kommen noch Zuwendungen von Gemeinden für einzelne Kompanien. Haben Sie einen Überblick darüber?

Tiefenthaler: Den haben wir als Dachverband nicht. Es gibt aber jedenfalls ganz unterschiedliche Strukturen, etwa die, dass eine Gemeinde den Schützen ein Vereinslokal vermietet, die Miete dann aber wieder als Subvention zur Verfügung stellt – wie bei vielen anderen Vereinen eben auch.

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Warum sind Sie auch nach mehr als 40 Jahren noch Schütze – und seit 2011 sogar der oberste Schütze Tirols?

Tiefenthaler: Weil ich momentan eine Hochzeit erlebe. Die Offiziere äußern sich anerkennend über meine Arbeit, ich spüre … ich möchte nicht gerade „Zuneigung“ sagen, aber… das englische Wort wäre „affection“.

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Ein Mittelding zwischen Zuneigung und Wertschätzung?

Tiefenthaler: Ja, so ist es eigentlich richtig, eine freundschaftliche Wertschätzung. Wir hatten neulich eine intensive zweitägige Klausur auf einer Alm in Kappl. Ein Kappler Schütze sagte nachher verblüfft zu mir: „I hon gor it gwisst, dass Schitza so viel Arbeit macha!“

Das Gespräch führte  Irene Heisz
 

Porträt

Irene Heisz ist freie Journalistin, Moderatorin und Autorin. Sie lebt in Tirol. | Email an die Autorin

 
 
 
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Autor: BTSK Kanzlei
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