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Treue ist Tiroler Brauch
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 (c) Franziska Jenewein
Die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" - der Erste Weltkrieg, die Zerreißung Tirols als Folge dieses mächtigen Krieges, stand im Mittelpunkt des Stubaier Bataillonsfestes in Mieders vom 30. bis 31. Mai 2015.
Das Miederer Bergkirchlein am Kalvarienberg wurde mit der Jahreszahl "1915" geschmückt. Es dient als Erinnerung an den Kriegseintritt Tirols. Das Treffen der Schützen am Fuße dieser kleinen Kirche war der richtige Ort für das Gedenken der Opfer dieses großen Krieges.
Der Erste Weltkrieg sowie der Freiheitskrieg von 1809 haben dieselbe Wurzel, diese Kriege wurden Tirol von außen aufgezwungen, sie erforderten von den Tirolerinnen und Tirolern äußerste Kraftanstrengungen gegenüber einem überlegenen Gegner und sie endeten beide in einer furchtbaren Niederlage.

Inhalte des Festes

Es ist wichtig, 100 Jahre nach Kriegsbeginn den Opfern zu gedenken, sie zu würdigen und zu ehren. Heute können wir an die Tragik dieser Teilung Tirols etwas leichter zurück blicken. Wir sind wieder zusammen gerückt. Das Autonomiestatut und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union haben dies ermöglicht Wir müssen uns mit ganzem Herzen einen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft wünschen. Jeder einzelne muss die Teilung überwinden und das Zusammenwachsen aktiv fördern. Dieses Bekenntnis für Friede, Freiheit und Brüderlichkeit lag dem Fest in Mieders zugrunde.

Gäste aus Nah und Fern

Landeskommandant Major Mag. Fritz Tiefenthaler stand an der Spitze zahlreicher Repräsentanten des Landes Tirol und des Stubaitales. In seiner Ansprache führte er den Abordnungen der Schützen und den zahlreichen Besuchern aus Nah und Fern die Tragik des Ersten Weltkrieges vor Augen.
"Der Tag ist nicht nur ein Tag für die Schützen. Es geht alle Bürger unseres Landes an, sowie alle Bürger unseres Landes an diesem Krieg und seinen Folgen zu leiden hatten. Die Soldaten in Galizien und in Serbien und ab Mai 1915 am Isonzo und in den Bergen des Trentinos und Südtirols waren nicht nur Schützen, sondern Männer aus allen Gesellschaftsschichten unserer Dörfer und Städte. (...) Sie stammten aus allen Berufsgruppen und aus allen Jahrgängen, waren zwischen 17 und 45 Jahre alt. Mit den als letzte Reserve aufgebrochenen Standschützen verließen die letzten verfügbaren Männer ihre Heimatorte."

Frauen im Ersten Weltkrieg

Am ersten Festtag lud Bundesmarketenderin Franziska Jenewein Marketenderinnen aus Tirol zu einem Vortrag über "Frauen im Ersten Weltkrieg" in den Miederer Gemeindesaal ein. Zahlreiche Frauen folgten ihrer Einladung. Die Einführung übernahm Bürgermeister Manfred Leitgeb und sprach über die Folgen dieses Krieges in Mieders. Anschließend berichtete Bildungsoffizier Major Mag. Hartwig Röck ausführlich über die Situation der Frauen in den Kriegsjahren. Ein informativer Nachmittag für unsere Marketenderinnen.
Franziska Jenewein / Präsentation Frauen im 1. WK
Präsentation "Frauen im Ersten Weltkrieg"
Franziska Jenewein / Treffen Marketenderinnen
Bildungsoffizier Major Mag. Hartwig Röck, Bundesmarketenderin Franziska Jenewein, Bundesmarketenderin Südtirol Verena Geir und der Miederer Bürgermeister Manfred Leitgeb

Mieders im Ersten Weltkrieg - bittere Zahlen

Aus Mieders rückten am 28. Juli 1915 70 Mann ein, bei der zweiten Mobilisierung - ein paar Monate später - mussten noch 30 Männer in den Krieg ziehen. 39 Miederer Männer starben in diesem Krieg, drei blieben vermisst. Die Namen der Gefallenen sind auf der Tafel am Kalvarienberg Kirchlein verewigt.

Österreichischer Zapfenstreich

Die Musikkapelle Mieders unter der Leitung von Kapellmeister Alexander Rosta intonierte dieses meisterhafte österreichische Musikstück in würdiger und hoher musikalischer Qualität in prächtiger und einmaliger Kulisse im "Beckens Garten". Es war eine Aufführung, die der Würde des Eröffnungsabends - in Gedenken der Opfer - gerecht wurde.

Das Stubaier Bataillonsfest

Die Heilige Festmesse im "Beckens Garten" zelebrierten Pfarrer Josef Scheiring und Pfarrkurator Michael Brugger. In ihren Ansprachen beleuchteten sie die Lage der Kirche während des Ersten Weltkrieges, zogen doch die Männer für Gott, Kaiser und Vaterland in den Krieg. Der Krieg ist nicht von Gott gefordert, daher ein großes Unrecht. Sie baten die Festgemeinde um ihr Gebet für den Frieden, der nur möglich ist, wenn ihn alle wollen.
Franziska Jenewein / Feldmesse Stubai
 
Franziska Jenewein / Feldmesse Stubai
 
Franziska Jenewein / Feldmesse Stubai
 
Franziska Jenewein / Feldmesse Stubai
 
Franziska Jenewein / Ehrenkompanie Schönberg
Ehrenkompanie Schönberg

Apelle für den Frieden im Land

Nationalrat Hermann Gahr ist der Meinung: "Wir Schützen sind aufgefordert, der Zeit der Trennung Tirols zu gedenken und haben den Auftrag, das Unrecht zu überwinden und den Weg des Miteinanders, Zueinanders und des Beisammenseins zu gehen. Die Schützen stehen in der Tradition der Tiroler Gesellschaft als wichtige und richtige Stütze. Sie sind auch ein Garant dafür, dass die Tiroler Werte und Ideale nicht dem Zeitgeist geopfert werden. Stehen wir zu unseren Bräuchen, zu unserem Glauben und zu unserer Geschichte. Unsere Gesellschaft braucht in Zeiten der Globalisierung den notwendigen Halt, um einer gedeihlichen Zukunft entegen zu gehen. Das Land Tirol braucht ein aktives, solidarisches, bodenständiges, modernes und kameradschaftliches Schützenwesen."

Ehrungen und Dank

Hauptmann Paul Wechner und der Ausschuss ernannten Johann Schmoller zum Ehrenhauptmann der Kompanie Mieders. Kanonier Thomas Ruech erhielt die goldene Verdienstmedaille und Spieß Thomas Mörtenschlag die silberne Verdienstmedaille des Bataillons Stubai. Besonderer Dank gilt den Schützen, Marketenderinnen und allen Frauen und Männern, die durch ihren persönlichen Einsatz das Bataillonsfest in Mieders zu einem eindrucksvollen Ereignis machten. Dank auch an Bürgermeister Manfred Leitgeb, den Festredner und Moderator des Festes.
 
Autor: Herbert Genser
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