Die Wallfahrtskirche Mariastein

Die Wallfahrtskirche Mariastein

Die Wallfahrtskirche Mariastein war einst ein Wehrturm, dessen Urbau um das Jahr 1350 vom Geschlecht der Freundsberger, einem der einflussreichsten Adelsgeschlechter in Tirol mit Stammsitz in Schwaz, gebaut wurde.

Die an strategisch günstiger Stelle auf einem prähistorischen Bergsturzblock vom Köglhörndl errichtete Burg Stein diente vorrangig zur Sicherung ihrer Besitzungen an der „alten Römerstraße, der bis ins 16. Jahrhundert einzigen sicheren Straßenverbindung ohne Sumpf und Hochwasser von Innsbruck über Rosenheim nach Regensburg. Sie bildete ein Glied im Festungsbogen, der aus Matzen, Lichtwehr, Schintlburg, Stein, Niederbreitenbach und Tierberg bestand. Hans von Freundsberg verkaufte die „Burg auf dem Stayn“ 1379 dem bayerischen Herzog, als das Tiroler Unterland zu Bayern kam. Danach gelangte die Burg in den Besitz der Herren von Ebbs, welche 1470 eine geräumige Kapelle (heutige Gnadenkapelle) mit der Marienstatue (Gnadenmadonna von 1450) errichteten. Als die Feuerwaffen erfunden wurden, verlor die Burg ihre strategische Bedeutung. Der reiche Besitzer Georg Ylsung aus Augsburg, hat angeblich nur die Muttergottesstatue mitgenommen, nachdem er 1587 die gesamte Burganlage seinem Schwager Karl von Schurff überlassen hatte. Der Legende nach soll dieses Bildnis Mariens zweimal auf wunderbare Weise nach Mariastein zurückgekehrt und daraufhin der Wallfahrtsort entstanden sein.

Freiherr Karl von Schurff wurde 1589 Schlosshauptmann von Kufstein (von Mariastein hat man einen direkten Blick auf die Festung Kufstein) und damit oberster Beamter im gesamten Gericht. Er ließ nicht nur den Turm in Stand setzen, sondern errichtete auch das horizontale Wohngebäude in seiner heutigen Form. Schurff war der Begründer und Förderer der Wallfahrt in Mariastein. Ab 1600 kann Mariastein als zweitwichtigster Marienwallfahrtsort nach Georgenberg bezeichnet werden. Bis 1688 blieb das Anwesen im Besitz der Familie Schurff. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges betreuten sechs Priester und zwei Einsiedler die Pilgerschar.

1835 kam die Burg nach wiederholtem Besitzerwechsel und drohendem Verfall der Anlage an das Erzdiözese Salzburg, das bis heute den Besitz innehat. Der Diözese ist es auch zu verdanken, dass sie Mariastein vor der Zerstörung bewahrte. Insbesondere Ende der Fünfzigerjahre begann unter Erzbischof Dr. Andreas Rohracher der Wiederaufbau, welcher erst 1994 im Wesentlichen abgeschlossen werden konnte. Die letzte Innenrenovierung fand im Jahre 2000 unter der begleitenden Hand des Wallfahrtskuraten Mag. Matthias Oberascher statt. Seit damals gibt es den Volksaltar im Innenhof der Anlage, welcher am Fest Maria Verkündigung durch Erzbischof Dr. Eder eingeweiht wurde.

1914 gelobte das 2. Tiroler Landsturmregiment jährliche Wallfahrten nach Mariastein. Seit dieser Zeit ist die Schlosskapelle auch Ziel von Soldatenwallfahrten.

In: Tiroler Schützenkalender 2023 / September

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