Natur-und Kulturpanorama Gacher Blick

Natur- und Kulturpanorama Gacher Blick

Gacher Blick: „ Gach“ bedeutet soviel wie plötzlich- wird  im Oberland auch für schnell oder steil verwendet. Er befindet sich am Piller Sattel, dem Übergang vom Pitztal ins Obere Gericht. Hier fällt der Berghang 800 Meter fast senkrecht zur Pontlatz ab, wo damals die Steinlawinen donnerten.

Der Gache Blick, am nördlichen Ausläufer des Engadiner Fensters wurde geschaffen von geologischen Kräften und in geologischen Zeitdimensionen. Im Vergleich dazu nimmt sich die Zeit von der Besiedlung der Region in der Bronzezeit vor 3500 Jahren bis heute („Kulturgeschichte“) wie eine Randnotiz aus.

Menschen suchen die Anhöhen, die Gipfel. Von hier aus hat man freie Sicht, freie Gedanken. Die Erhabenheit der Anhöhe verleiht dem Mensch Überblick, gibt ihm Sicherheit.

Viele Menschen sind seit der Erstbesiedlung bis heute durch diese Region gezogen – friedlich gesonnen aber auch mit feindseliger Absicht. Tirol hat eine lange Tradition der  Selbstbestimmung. Die Sonderstellung im Habsburgerreich und die damit verbundenen Freiheiten konnten zu  grossen Teilen bis in das 19 Jahrhunderts erhalten werden. Erst mit dem Sieg Napoleons über Österreich bei Austerlitz und der Übernahme Tirols durch Bayern sollte das sich ändern. Die Folge: Der Aufstand um 1809 angeführt von den Tiroler Schützen.

Das Grundthema des Natur- und Kulturpanoramas Gacher Blick ist das Thema Freiheit und Selbstbestimmung. Dazu werden zwei Wegmarkierungen der Tiroler Geschichte herausgegriffen. Zum einen der kompromisslose Kampf der Tiroler Bevölkerung gegen die Landnahme durch die feindlichen Mächte von Aussen in den Jahren 1703 und 1809; zum anderen die unmittelbare Gegenwart.

 

Auch heute sind die Zeiten wieder turbulent – die Zeichen stehen auf Veränderung und Unsicherheit. Die Konsequenzen, die wir 200 Jahre nach Andreas Hofer daraus ziehen, sind aber andere – heute geht es um die Kooperation, um die Bündelung der regionalen Kräfte – auch über Grenzen hinweg. Die Europaregion „Terra Raetica“ steht für die Zukunft und soll die Wunden der Geschichte wieder langsam verheilen. Es liegt an uns Menschen zu entscheiden, ob nach den unzähligen und unheilvollen Schlachten und Kriegen, der friedliche Kampf für die Freiheit und den Frieden in Europa obsiegt.

Heimat ist die Summe von Beziehungen: zu Landschaften, zu Orten, zu Menschen oder zu eigenen Erinnerungen

(Lew Kopelew, russischer Schriftsteller und Germanist).

Auf drei Podesten sollen dem Besucher des Natur- und Kulturpanorama Gacher Blick wichtige Inhalte zum Themenkomplex „Freiheit & Friede“  über folgenden Geschichten vermittelt werden:

 

  • Der Gache Blick / Freier Blick auf Natur und Kultur / Anknüpfung an Brandopferplatz – Grundintention des Projektes
  • Pontlatz und das Tullenfeld bei Prutz – zwei bedeutende Stätten der Tiroler Freiheitsgeschichte
  • Das Engadiner Fenster – freier Blick auf die europäische Zukunftsregion Terra Raetica, die die Regionen Vinschgau, Engadin und Oberes Gericht wieder stärker zusammenrücken lässt

 

Natur Kulturpanorama Broschüre 

Gacher Blick – Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft

Diese Tafel zeigt einen Abriss der wichtigsten Ereignisse dieser Region von 3000 v. Ch. bis zur Gegenwart.

Terra Raetica- Die Europaregion im Herzen der Alpen

Seit 2007 arbeiten das Engadin, der Vinschgau und die Bezirke Landeck und Imst im Interreg-Rat Terra Raetica zusammen. Gemeinsam soll der Natur-,
Kultur- und Wirtschaftsraum grenzübergreifend weiterentwickelt werden.

 

 

Der Tiroler Freiheitskampf im Oberen Gericht 1703 und 1809

Der Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung.

1703 – die Schlacht bei Pontlatz

Am 28. Juni 1703 marschierten 310 französische Infanteristen und bayerische Dragoner in Landeck ein und hausten im Schloss Landeck. Im Gasthaus Linser (Post) aßen und tranken sie, was es aufzutreiben gab. Gleichzeitig versammelten sich unter dem Anführer Martin  Andreas Sterzinger im gleichen Gasthaus etwa 13 Einheimische und heckten einen Angriffsplan aus. Am 30. Juni ließ Sterzinger die Pontlatzbrücke abtragen und an beiden Bergseiten wurden Verstecke für die heimischen Schützen angelegt und Steinlager errichtet. Rund 500 Schützen wurden dort postiert.

Am Sonntag den 1. Juli brachen die feindlichen Soldaten von Landeck auf und wollten über den Reschenpass, um sich im Süden mit den Franzosen zu vereinigen. Sie marschierten ahnungslos in Richtung Pontlatz und als sie in die Nähe der Pontlatzbrücke kamen, knallten hinter jedem Baum und hinter jedem Fels Gewehrkugeln hervor und es rollten die Steinlawinen auf die feindlichen Soldaten herunter. Schrecklich war deren Lage, welche versuchten, ihr Leben durch die Flucht in Richtung Landeck zu retten. Für die dort angekommenen ging die Not aber erst richtig los: die Landecker Schützen, an der Spitze Dominik Tasch, erwarteten die Feinde bei der Gerberbrücke und es entwickelte sich dort ein erbitterter Kampf. Etwa 60 feindliche Soldaten sollen ihr Leben verloren haben uns sehr viele wurden verwundet. Die Gefangenen und Verwundeten brachte man auf das Schloss Landeck, wo sie mit aller Menschlichkeit gepflegt und versorgt wurden. Von den heimischen Schützen soll nur ein Mann von einer Kugel tödlich getroffen worden sein.

 

.1809 – die Schlacht bei Pontlatz, Prutz und Ladis.

Am 7. August 1809 verbreitete sich im Obergricht die Meldung: „Die Bayern stehen schon in Landeck“.  In Prutz versammelten sich etwa 50 – 60 Schützen im Gasthaus Zangerl und hielten Kriegsrat. Der Gastwirt Josef Anton Zangerl versuchte die Hitzköpfe zu beruhigen, wurde aber von diesen ‚Boarfock‘ genannt und es war nahe daran, dass sie ihn verprügelten.

„Auf in die Pontlatz“ – mit diesem Geschrei eilten sie den rund 1.400 Bayern und Franzosen entgegen und trafen in  Nähe der Tullenkapelle auf die Vorhut der feindlichen Soldaten. Ein heimischer Schütze schoss einen Vorreiter vom Pferde, worauf das Kommando: „Avant!“ erschall. Die heimischen Schützen ergriffen nun die Flucht in Richtung Ladis. Der Müller Rauch kam dabei ums Leben, Eckhart von Lahngang/Kaunerberg blieb schwer verwundet liegen und wurde durch Bajonettstiche getötet. Inzwischen wurde die rechte Innseite von Pontlatz bis Prutz von heimischen Schützen besetzt. Schützen aus Ladis, Fiss und Serfaus besetzten den linken Flügel vom Schloss Laudegg in Richtung Pontlatz. Die feindlichen Soldaten waren also in eine hufeisenförmige Kampfstellung hineingeraten und waren von beiden Flanken bedroht. Ein Versuch, bei Prutz über die Innbrücke zu gelangen schlug fehl, ebenfalls wurde der Durchbruch über Ladis vereitelt. Die Bayern mussten sich nun fluchtartig in die Tullenau zurückziehen. Nun blieb ihnen nur mehr der Rückzug über die Pontlatzbrücke übrig. Um die Aufmerksamkeit der  Schützen davon abzulenken, ‚schürten‘ sie den Ortsteil Entbruck an. Es gelang ihnen aber auch dieser Rückzug nicht, da die Fließer Schützen in Pontlatz die ‚Mühl‘ zumachten. Herabrollende Baumstämme und Steinmassen vereitelten die Flucht. Den Bavarofranzosen blieb nur mehr die Kapitulation übrig. Die Zahl der Gefangenen betrug 800, jene der Gefallenen wurde mit 250 angegeben, während sich bei 300 gegen Landeck gerettet hätten.

Aus den Dörfern des Obergrichtes waren insgesamt 920 Schützen im Einsatz, wovon 7 Männer gefallen sind. Im Sterbebuch von Kauns steht für diesen Tag in klassischer Kürze vermerkt: „Conflictus turbulentus, clamorosus, sed victoriosus“.

(Aus dem Buch- Tiroler Freiheitskampf im Tiroler Oberland von 1703 bis 1809- von Josef Partoll)

 

 

 

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