Jahrhundertelang war der Heilige Georg der Landespatron von Tirol. Erst 1772 wurde er durch den Hl. Josef ersetzt, was als Huldigung an den Sohn und späteren Nachfolger Kaiserin Maria Theresias, Josef II., verstanden werden kann. 234 Jahre später, wurde mit Beschluss des Tiroler Landtages vom 29. Juni 2005 der Hl. Georg als zweiter Landespatron wieder in seine alten Rechte eingesetzt.
„Drachentöter wieder Landespatron“, „Ein Heiliger für alle Lebenslagen“, „Heiliger Georg: Ein Helfer mit Tradition“ – so lauteten die Schlagzeilen, als am 21. April 2006, zwei Tage vor dem St.-Georgs-Tag, dem 23. April, in einem feierlichen Pontifikalamt in der Landschaftlichen Pfarre Mariahilf von Bischof Manfred Scheuer der Hl. Georg wieder als Landespatron eingesetzt wurde. Landeshauptmann Herwig van Staa und Landtagspräsident Helmut Mader sprachen gemeinsam die Proklamationsformel: „Wir erklären feierlich, unserem ersten Landespatron, dem Hl. Josef, als weiteren Patron den Hl. Georg an die Seite zu stellen. Beide Heiligen mögen unser Land Tirol beschützen!“ Schon seit dem 13. Jhdt. wurde der Hl. Georg in Tirol verehrt. St. Georgenberg bei Fiecht, die Georgskapelle im Landhaus oder die Georgsfigur auf der Annasäule zeugen von dieser Jahrhunderte alten Verehrung. Das Alte Landhaus hieß Georgenhof und den heute südlichen Teil der Maria-Theresien-Straße vom ehemaligen Georgentor bis zur Triumphpforte nannte man Georgen-Vorstadt. Eine für uns Schützen besondere und historisch bedeutende Darstellung des Hl. Georg findet sich auf der Bundesstandarte des Bundes der Tiroler Schützenkompanien.
Dieses Banner, die älteste noch erhaltene Schützenfahne Tirols, stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1499 und wird dem „stehlin haufen“, den Schwazer Bergknappen als Feldzeichen zugesprochen. Im Krieg König Maximilians I. gegen die Schweizer im Jahr 1499 zogen 1000 Schwazer Bergleute, ausgerüstet mit 897 langen Spießen, 27 Hellebarden und 48 Handbüchsen in die Schlacht. Die Darstellung auf dem Fahnenblatt wird dem Innsbrucker Hofmaler Jörg Kölderer zugeschrieben. Im Zentrum des Banners befindet sich der Tiroler Adler, über diesem der österreichische Bindenschild und der schwarze Adler des römischen Königs. Neben dem Tiroler Adler ist der Hl. Georg als Drachentöter zu sehen vor dem ein Bergknappe kniet.
Von diesem Bildnis des Hl. Georg kann also – wie bereits erwähnt – davon ausgegangen werden, dass der Drachentöter Georg schon seit Jahrhunderten in Tirol verehrt wird. Ein genaueres Datum, das seine Einsetzung als Landespatron präzisieren könnte, ist nach Meinung von Historikern nicht möglich. Es ist allerdings bekannt, dass bereits in der germanischen Zeit der Hl. Georg in unserem Gebiet eine Rolle gespielt hatte. Bei Aufkommen eines Tiroler Landesbewusstsein im 13. Jhdt. nahm er bereits in der Verehrung die Stelle eines Patrons für das „Land im Gebirge“ ein. Georg war schon im Frühmittelalter ein beliebter Heiliger. Seine Rolle als Drachentöter wurde ihm allerdings erst im 11. Jahrhundert angedichtet. Demnach soll er ein Monster getötet haben, das die Stadt Silena in Lybien bedrohte, und die Tochter des dortigen Königs gerettet haben, die der Drache verschlingen wollte. Georgs Drachenkampf wird im christlichen Verständnis als Sinnbild für den Kampf gegen das Böse und Heidnische betrachtet. Der Legende nach war Georg ein aus Kappadokien in der heutigen Türkei stammender römischer Soldat, der während der Christenverfolgung durch Kaiser Diokletian im Jahr 303 in Lod in Israel den Märtyrertod starb. In der Ostkirche wird er als Großmärtyrer verehrt, Georg gehört zum Kreis der 14 Nothelfer. Sein Triumph über das Monster, aber nicht nur der, machte Georg zu einem besonderen Fürsprecher, „zu einem Heiligen für alle Lebenslagen“. Er ist unter anderem Patron der Bauern, der Schmiede, der Wanderer, der Soldaten, der Gefangenen, der Reiter, der Pferde und des Viehs. Der Hl. Georg wird gegen Pest, Fieber und Hautkrankheiten ebenso angerufen, wie bei Kriegsgefahr und für gutes Wetter. Schließlich ist er auch der Patron zahlreicher Städte und Länder, etwa Georgiens, das seinen Namen trägt, und Englands. Und eben nun auch wieder Tirols. Hierzulande war der Georgi-Tag, der 23. April, schon immer ein wichtiges Datum im Brauchtum. Zahlreiche Bauernregeln sind damit verbunden, mancherorts knüpft sich auch ein besonderes Pferdebrauchtum an den Tag des Rossheiligen. Eng verbunden in der bäuerlichen Überlieferung sind der Hl. Georg und sein Tag auch mit dem Wachstum und der wiedererwachenden Natur: in vielen Gemeinden, vor allem im Tiroler Unterland, geschieht um Georgi das „Grasausläuten“.
Quellen:
- Gerhard Gstraunthaler: Der Heilige Georg. Jahresmappe des Schützenbezirkes Landeck 2006. Gerhard Gstraunthaler, 2006.
- Stephan Dietrich: Ein Heiliger für alle Lebenslagen. Tiroler Tageszeitung vom 22./23. April 2006.
- Heinz Wieser: Heiliger Georg: Ein Helfer mit Tradition.
- Kirchenblatt der Diözese Innsbruck vom 23. April 2006.



